Der Verpackungsmaschinenbau zwischen Druck und Aufbruch
Zwei Tage, ein roter Faden: Auf der dritten Packaging Machinery Conference (PMC) in Nürnberg zeigte sich am 16. und 17. Juni, wie eng Wettbewerbsfähigkeit, Digitalisierung, Regulierung und internationaler Wettbewerb zusammenhängen. Erstmals richteten Ultima Media (neue verpackung), die Nürnberg Messe (Fachpack) und Packaging Valley die PMC gemeinsam aus – passend zum vielleicht wichtigsten Thema für den deutschen Verpackungsmaschinenbau: Plattformen statt Einzellösungen.
Philip BittermannPhilipBittermannEditor-in-Chief neue verpackung / Automation NEXT
2 min
Die Themen der Packaging Machinery Conference waren erkennbar gut gewählt.Packaging Machinery
Conference /Ronja Prokosch
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Den Ton setzte der neue VDMA-Geschäftsführer Johannes Schmid-Wiedersheim mit seiner Eröffnungs-Keynote: rund 70 % Auslastung, sinkende Beschäftigtenzahlen, schwächeres Wachstum – aber auch Stellschrauben wie Rentenreform, mehr Investitionen und höhere Produktivität.
Daran knüpfte Dr. Achim Wapniewski, Ensign Advisory, und Martin Buchwitz, Packaging Valley, mit der Kurzvorstellung einer gemeinsamen Studie an: Wettbewerbsfähigkeit entsteht nicht mehr durch technologische Exzellenz allein, sondern durch das Zusammenspiel von Digitalisierung, Nachhaltigkeit, Fachkräften und globaler Präsenz – die strategische Antwort auf die zuvor skizzierte Lage und Auftakt für die dominierenden Themen der Veranstaltung: Regulatorik und Digitalisierung.
v.l.: Phuong Anh Do, Director Fachpack, Martin Buchwitz, Geschäftsführer Packaging Valley, und Philip Bittermann, Chefredakteur neue verpackung, bei der Begrüßung am Referentenabend, der am Vortag der Packaging Machinery Conference 2026 stattfand.Packaging Machinery Conference /Ronja Prokosch
Johannes Schmid-Wiedersheim, neuer Geschäftsführer der VDMA Fachverbände Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen, hielt die Eröffnungskeynote.Packaging Machinery Conference /Ronja Prokosch
Regulatorik als gemeinsamer Nenner
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Dass Nachhaltigkeit ein knallhartes Compliance-Thema ist, zeigten zwei Vorträge: Jonathan Scheck von Interzero erläuterte, wie Verpackungen gemäß PPWR bis 2030 recyclingfähig sein müssen – beispielsweise durch den Einsatz von Monomaterialien statt Verbundstoffen.
Auch die Anwenderseite kam zur Sprache, wie beispielsweise Dominik Klages von Sanofi zum Thema Cybersecurity.Packaging Machinery Conference /Ronja Prokosch
David Villamil von SEW-Eurodrive knüpfte direkt an: Der Digitale Produktpass (kurz DPP und Teil des European Green Deal) macht genau diese Material- und Recyclingdaten entlang der Lieferkette nachvollziehbar. Beide bestätigten dieselbe These: Regulatorik wird vom Hemmnis zum Geschäftsmodell-Treiber – wenn Unternehmen sie früh mitdenken.
KI als Themenblock am Nachmittag
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Kein Thema beschäftigt die Welt gerade wie KI, weshalb sich ihr die vier Vorträge des Nachmittags exklusiv widmeten. Malcolm Werchota eröffnete provokant mit seiner Keynote: KI werde meist falsch eingesetzt, vor allem zur internen Effizienz statt zur Umsatzsteigerung im Vertrieb.
Die Themen der Vorträge wurden in den Pausen weiterdiskutiert.Packaging Machinery Conference /Ronja Prokosch
Dr. Marius Grathwohl von Multivac nahm den Ball auf und referierte darüber, wie KI über Computer Vision und Predictive Maintenance neue Geschäftsmodelle wie Pay-per-Use ermöglicht.
Dr. Daniel Eckertz vom Fraunhofer IEM zeigte, wie KI als Sparringspartner im Engineering zum Einsatz kommen kann.
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Zum Abschluss setzten Jürgen Welker von Koch Pac-Systeme und Jonas Schaub von Elunic den Praxispunkt: KI müsse Mehrwert liefern, kein Selbstzweck sein und stellten vor, wie sie den Service bei Koch Pac-Systeme verbessert.
Tag zwei: Daten, Plattformen und das Ende der Insellösung
Marcus Schindler von Gerhard Schubert referierte über die Kunst des Weglassens.Packaging Machinery Conference / Ronja Prokosch
Der zweite Tag vertiefte den Datengedanken: Lazaros Patsakas von B&R verband Automatisierung mit der "adaptiven Maschine" als Antwort auf Fachkräftemangel und Premiumisierung.
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Tim Hellwig von Sweetconnect zeigte am Beispiel der von Wettbewerbern gegründeten Plattform, wie sich isolierte OEM-Portale durch gemeinsame Aftersales-Lösungen ersetzen lassen – ein Echo auf den Plattformgedanken der Veranstalter selbst.
Matthias Markus von Bayer lieferte im Anschluss die Anwendersicht: Datensilos (nicht nur) in der Pharmaindustrie, denen ein interoperabler Metastandard entgegenwirken soll.
Einen Kontrapunkt zur "Premiumfalle" des deutschen Verpackungsmaschinenbaus setzte Marcus Schindler von Gerhard Schubert: Statt immer komplexeren Maschinen brauche es, dem Vorbild aus Emerging Markets folgend, reduzierte, robuste Maschinen – sogenannte „Good enough“-Lösungen, die auf Komplexität, aber nicht auf Qualität verzichten.
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Malcolm Werchota zeigte live, wie sich beispielsweise Dashboards via Copilot erstellen lassen.Packaging Machinery Conference /Ronja Prokosch
Cybersecurity und der Blick nach China
Dass Digitalisierung auch Risiken birgt, machten Dominik Klages von Sanofi und Christian Meyer von Siemens in ihren auf einander aufbauenden Vorträgen deutlich: IT/OT-Konvergenz und der ab Ende 2027 verpflichtende Cyber Resilience Act (kurz CRA) verlangen Risikomanagement und Standards wie IEC 62443 – die regulatorische Klammer um die zuvor diskutierten Datenarchitekturen.
Xuejun Qiu, Generalkonsul der VR China in München, weitete den Blick zum Abschluss international: Mit 32,7 % Weltmarktanteil bleibt China zentraler Wettbewerber und Partner zugleich – und schloss den Bogen zum Wettbewerbsdruck vom Konferenzbeginn.
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Fazit
Die PMC 2026 verband Bestandsaufnahme, Strategie und Praxis zu einem stimmigen Gesamtbild. Die Wettbewerbsfähigkeit des Verpackungsmaschinenbaus entscheidet sich an der Schnittstelle aus KI, Daten, Regulierung und internationaler Positionierung.
Die nächste Ausgabe findet am 8. und 9. Juni 2027 statt.