Zwischen Regulierungsdruck, Nachhaltigkeitsanforderungen und wachsendem Designwettbewerb im Kosmetikregal stehen Verpackungssysteme vor einem grundlegenden Wandel. Eine 2K-Preform-Technologie als Pouch Airless-System zeigt, wie sich Produktausbeute, Materiallogik und Markenauftritt neu zusammendenken lassen.
Lena RadetzkyLenaRadetzkyHead of Packaging, Inotech Group
3 min
Das System ermöglich bis zu 98 % Produktentleerung.Inotech
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Im Kosmetikregal entscheidet Packaging längst nicht mehr nur über Schutz und Funktion, sondern über Sichtbarkeit, Markenwahrnehmung und Kaufentscheidung. Zwischen begrenztem Shelf Space, steigenden Kosten pro Regalmeter und immer stärker fragmentierten Zielgruppen wird Verpackungsdesign zu einem strategischen Erfolgsfaktor. Dabei treffen zwei Perspektiven aufeinander: die Marke, die sich im Regal differenzieren muss – und der Konsument, der innerhalb von Sekunden kauft, was ihn visuell und emotional anspricht.
Gerade im Bereich Facecare, dem hochpreisigsten Segment der Kosmetikindustrie, ist dieser Druck besonders spürbar. Hier konkurrieren Produkte nicht nur funktional, sondern auch ästhetisch – von Mass Market bis Luxury. Während eine Drogeriemarke im klar definierten Preis- und Formatraster agiert, setzen Premiumbrands auf maximale Inszenierung und Differenzierung. Doch unabhängig vom Segment bleibt ein Ziel konstant: gute Qualität, schnelle Verfügbarkeit, zuverlässige Lieferketten und ein Packaging, das funktioniert – technisch wie emotional.
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Nachhaltigkeit trifft Regulierung
Airless-Verpackungen gelten als Goldstandard für empfindliche Formulierungen. Doch die Branche steht unter wachsendem regulatorischem Druck: Die Packaging and Packaging Waste Regulation (PPWR) zwingt Hersteller zu konsequenter Materialreduktion, Recyclingfähigkeit und dem verstärkten Einsatz von Rezyklaten (PCR-Materialien). Gleichzeitig bleibt die Umsetzung komplex: Materialdefinitionen, Recyclingfähigkeit und regulatorische Anforderungen sind teils uneindeutig und in der Praxis schwer kalkulierbar.
Ein zentrales Problem dabei: PCR-Material ist nicht unbegrenzt verfügbar und unterliegt Qualitäts- und Sicherheitsanforderungen – insbesondere im Kosmetikbereich. In der Konsequenz müssen Marken heute Verpackungslösungen entwickeln, die nicht nur nachhaltig erscheinen, sondern regulatorisch langfristig Bestand haben.
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Trennung von Funktion und Materiallogik
Der Aufbau des Verpackungssystems.Inotech
Hier setzt die 2K-Preform-Technologie an. Im Kern basiert sie auf einem Zweikomponenten- Spritzgussverfahren, das zwei Materialien in einem einzigen Prozessschritt kombiniert. Dadurch entsteht ein funktionales Verbundsystem ohne nachgelagerte Montageprozesse. Der entscheidende Unterschied zu klassischen Airless-Systemen liegt dabei in der Architektur: Während herkömmliche Systeme auf einem Kolben basieren, nutzt die 2K-Preform-Technologie einen flexiblen Innenbeutel (Pouch), der sich während der Anwendung kontrolliert zusammenzieht. So kommt es im Ergebnis zu einer nahezu vollständigen Produktentleerung – je nach Formulierung können bis zu 98 % erreicht werden.
Ein zentraler Vorteil der Technologie liegt in der gestalterischen Freiheit: Während klassische Airless-Systeme stark formgebunden sind, ermöglicht das neue System nahezu jede Form. Ob rund, eckig, konisch oder organisch – die äußere Hülle ist nicht mehr durch die interne Mechanik limitiert. Das eröffnet Marken die Möglichkeit, ikonische Packaging-Designs zu erhalten oder neu zu interpretieren. Gleichzeitig wird sogenannter „Toter Raum“ – also nicht genutztes Volumen im Packaging – nahezu vollständig eliminiert. Gerade im Kontext der PPWR ist dies ein relevanter Faktor, da Materialeffizienz zunehmend regulatorisch bewertet wird.
PCR, Recycling und regulatorische Freiheit
Ein weiterer zentraler Hebel der Technologie liegt in der Entkopplung von Produkt und Außenmaterial. Da der innere Pouch das Produkt vollständig vom Außenbehälter trennt, entstehen neue Freiheitsgrade in der Materialwahl der äußeren Verpackung. Diese kann – abhängig vom Konzept – aus PCR-Kunststoff, Aluminium, Glas, Holz oder anderen Materialien bestehen. Damit wird ein zentrales Problem klassischer Verpackungssysteme gelöst: die Kompatibilität zwischen Rezyklat und Formulierung. Zusätzlich reduziert sich der Testaufwand erheblich, da das Produkt nicht direkt mit dem Außenmaterial in Kontakt kommt. Der Innenpouch selbst ist dabei aus funktionalen Gründen in der Regel aus Virgin Material gefertigt, da er eine zentrale Rolle für Produktsicherheit und Dosierverhalten übernimmt.
Passport2skn – Minimalismus für unterwegs
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Ein Beispiel für die konkrete Anwendung der 2K-Preform-Technologie liefert die Reisekosmetikmarke Passport2skn. Die Marke verfolgt einen klaren Ansatz: hochwertige Gesichtspflegeprodukte so zu verpacken, dass sie im mobilen Einsatz ohne Umfüllen, ohne Zusatzsysteme und mit minimalem Materialeinsatz funktionieren. Im Fokus steht dabei eine 30-ml-Formatlösung, die gezielt für Reise- und E-Commerce-Szenarien entwickelt wurde. Die Verpackung kombiniert ein geringes Eigengewicht mit einer kompakten, stabilen Außenstruktur und einer integrierten Airless-Funktion.
Im Inneren kommt dabei das 2K-Preform-System zum Einsatz: Der flexible, integrierte Pouch übernimmt die Produktführung und ermöglicht, dass sich die Formulierung während der Nutzung gleichmäßig und kontrolliert entleert.
Fazit: Ein Systemwechsel im Detail
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Die 2K-Preform-Technologie ist keine radikale Ablösung bestehender Verpackungssysteme, sondern eine konsequente Weiterentwicklung bestehender Airless-Logiken. Sie verbindet drei zentrale Anforderungen der Branche: maximale Produktausbeute, regulatorische Zukunftssicherheit und gestalterische Freiheit im Design.
Gleichzeitig zeigt sie, dass Innovation im Packaging selten in der sichtbaren Oberfläche beginnt – sondern in der unsichtbaren Architektur dahinter. Oder anders gesagt: Nicht das Design verändert sich zuerst, sondern das System, das es möglich macht.