Interview zur interpack 2026 mit Director Thomas Dohse
„Die Zukunft liegt in der Vernetztheit“
Wie prägten KI, Vernetzung und nachhaltige Materialien die interpack 2026? Director Thomas Dohse blickt mit uns zurück und spricht über konkrete Fortschritte, neue Kooperationen, globale Trends – und warum Kreislauffähigkeit längst in der Praxis angekommen ist.
Philip BittermannPhilipBittermannEditor-in-Chief neue verpackung / Automation NEXT
4 min
Thomas Dohse, Director interpackANDREAS WIESE
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Redaktion: Herr Dohse, die interpack 2026 ist vorbei. Und damit ja nicht nur eine Messe, sondern auch ein Gradmesser für den Zustand der Verpackungsbranche. Viele Unternehmen richten nach wie vor ihre Entwicklungszyklen auf die interpack aus. Darum: Haben Sie auf dem Messegelände technologische Entwicklungen gesehen, die das Zeug zum Game-Changer haben?
Das Thema Roboter wurde auf der interpack 2026 an vielen Stellen aufgegriffen, wie hier am Stand von IMA.Redaktion
Thomas Dohse: Was mich in diesem Jahr begeistert hat, waren nicht nur einzelne Maschinen oder Innovationen auf Materialseite, sondern vielmehr das Zusammenspiel der Technologien. Denn wirklich spannend wird es, wenn man alles miteinander vernetzt denkt, etwa durch den Einsatz Künstlicher Intelligenz.
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Die entscheidenden Signale für die Zukunft liegen in genau dieser Vernetztheit: Maschinen kommunizieren miteinander, Formatwechsel werden schneller, Wartung wird planbar und die Bedienung einfacher. Die Integration von Automatisierung, KI, Robotik und Liniensteuerung hat einen großen Entwicklungssprung gemacht. In Kombination mit nachhaltigen Materialien und Rezyklaten werden daraus die nachhaltigen Lösungen, die jetzt wichtig sind für die Verpackungsindustrie.
Redaktion: Gutes Stichwort: Ein großes Thema ist die Maschinengängigkeit von Materialien. Welche Fortschritte haben Sie bei Rezyklaten, alternativen Packmitteln und mit Blick auf die Circular Economy gesehen?
Dohse: Hier hat sich sehr viel getan. Während wir 2023 noch stark über einzelne Materialien gesprochen haben – also Papier statt Kunststoff, Monomaterialien statt Verbunde oder Recyclinganteile –, geht es heute deutlich stärker um die Gesamtkreislauffähigkeit und Realisierbarkeit.
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Auch die regulatorischen Vorgaben, insbesondere durch die PPWR, spielen eine immer wichtigere Rolle. Man sieht deutlich, dass viele Unternehmen die regulatorischen Anforderungen inzwischen in konkrete Produkte und Prozesse übersetzen.
Monomateriallösungen haben deutlich an Bedeutung gewonnen.
Papier- und faserbasierte Verpackungen waren selbst in sensiblen Bereichen wie Pharma zu sehen.
Rezyklateinsatz ist stark im Kommen, auch durch regulatorische Anforderungen.
Insgesamt zeigt sich, dass die PPWR-Thematik bereits tief in der Praxis angekommen ist.
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Das Thema Nachhaltigkeit ist klar im operativen Alltag angekommen.
Redaktion: Wie war denn insgesamt die Stimmung auf der Messe? Die Besucherzahlen waren ja aufgrund verschiedener globaler Konflikte etwas niedriger.
Die Eingangshalle der interpack 2026.Redaktion
Dohse: Die Stimmung war insgesamt gut. Allerdings muss man die geopolitische und wirtschaftliche Lage berücksichtigen. Die deutsche Wirtschaft bewegt sich seit mehreren Jahren in einem von Unsicherheit und schwachem Wachstum geprägten Umfeld – das bleibt nicht ohne Einfluss.
Dennoch zeigt sich der Verpackungsmaschinenbau vergleichsweise robust und zuversichtlich. Es gibt weiterhin Wachstum, auch bestätigt durch die Zahlen des VDMA. Treiber sind globale Entwicklungen wie Bevölkerungswachstum und steigende Nachfrage nach verpackten Lebensmitteln und Pharmaprodukten.
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Und die interpack profitiert stark von ihrer Internationalität. Wachstumsregionen wie Asien, Afrika sowie Süd- und Mittelamerika waren stark vertreten und konnten Schwächen einzelner Märkte teilweise kompensieren.
Natürlich haben geopolitische Krisen – von Russland/Ukraine über Gaza bis hin zur jüngsten Situation im Iran – Einfluss gehabt, etwa durch deutlich höhere Reisekosten und gestörte Flugverbindungen. Das hat die Stimmung leicht gedämpft. Insgesamt fällt das Fazit aber klar positiv aus.
Redaktion: Wie stark haben Digitalisierung, KI und datengetriebene Produktion die Messe geprägt?
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Dohse: Sehr stark – das gehörte zu den dominierenden Themen der interpack 2026. Man hat fast überall bereits konkrete Lösungen oder zumindest sehr weit entwickelte Ansätze gesehen.
Unter dem Stichwort „Smart Manufacturing“ haben wir das Thema bewusst in den Fokus gerückt. KI und Automatisierung waren aus meiner Sicht prägende Leitmotive. Viele Aussteller zeigen bereits praktische Anwendungen.
Die Treiber sind klar: steigende Energie- und Betriebskosten, Fachkräftemangel, volatile Lieferketten und ein insgesamt wachsender Effizienzdruck. KI wird dabei auch als Möglichkeit gesehen, personelle Engpässe auszugleichen.
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Die Bandbreite der gezeigten Lösungen war beeindruckend.
Redaktion: Ein weiterer Aspekt, der vor allem europäische Unternehmen aktuell beschäftigt, ist der wachsende Wettbewerbsdruck – insbesondere aus Asien. Welche Rolle spielten Kooperation entlang der Wertschöpfungskette in Düsseldorf?
Dohse: Kooperationen werden immer wichtiger, und man konnte auf der interpack viele konkrete Beispiele sehen.
Traditionell gab es eine klare Trennung zwischen Maschinenherstellern und Packmittelproduzenten. Diese Grenze löst sich zunehmend auf. Beide Seiten müssen enger zusammenarbeiten, um Materialien und Maschinen optimal aufeinander abzustimmen.
Denn die Anforderungen an Kreislauffähigkeit beispielsweise haben direkte Auswirkungen auf Maschinendesign, Flexibilität und Zukunftssicherheit. Maschinen müssen heute so konzipiert sein, dass sie über viele Jahre hinweg anpassungsfähig bleiben – auch im Hinblick auf künftige regulatorische Veränderungen.
Deshalb spielen Modularität und Flexibilität eine zentrale Rolle. Und genau hier entstehen verstärkt Kooperationen zwischen Packmittelherstellern, Anwendern und Maschinenbauern.
Redaktion: Wenn wir etwas herauszoomen: Gibt es vielleicht Learnings aus Düsseldorf, die sich auf die Satelliten der interpack-Allianz übertragen lassen?
Dohse: Die Strategie der interpack alliance basiert auf einer Leitmesse in Düsseldorf und ergänzenden regionalen Veranstaltungen in wichtigen Märkten wie China, Ägypten oder Saudi-Arabien.
Diese Märkte haben jeweils eigene Anforderungen – etwa andere Materialpräferenzen, regulatorische Rahmenbedingungen oder Kostenschwerpunkte. Während bei uns Energiekosten ein zentrales Thema sind, spielt das beispielsweise in Saudi-Arabien eine geringere Rolle.
Wichtig ist: Die Messen stehen nicht in Konkurrenz, sondern ergänzen sich. Wir begleiten europäische Aussteller aktiv in diese Märkte und sorgen gleichzeitig dafür, dass internationale Besucher zur interpack nach Düsseldorf kommen.
Besonders spannend ist aktuell die Entwicklung in China: technologisch hat das Land enorm aufgeholt und wird zunehmend zum Wettbewerber auf Augenhöhe.
Redaktion: Blicken wir in die Glaskugel: Welche Themen werden die interpack 2029 prägen?
Dohse: KI wird nach allem was wir heute sehen eine zentrale Rolle spielen – auch wenn die Entwicklung so rasant ist, dass Prognosen schwierig sind. Sicher ist: Themen wie Liniensteuerung, Qualitätskontrolle, Wartung und Produktionsplanung werden noch stärker KI-getrieben sein.
Ein zweiter großer Block bleibt die Kreislaufwirtschaft: Design for Recycling, Rezyklateinsatz, Materialreduktion und Rückverfolgbarkeit werden Standard sein.
Hinzu kommt die Frage, wie sich die regulatorischen Vorgaben – etwa die PPWR – in der Praxis bewähren. Hier erwarte ich spannende Erkenntnisse und möglicherweise Anpassungen.
Auf Maschinenseite werden Flexibilität und Modularität weiter an Bedeutung gewinnen. Außerdem sehen wir erste Entwicklungen hin zu sogenannten „Dark Factories“, also hochautomatisierten Produktionsumgebungen ohne Personal – als Antwort auf den Fachkräftemangel.
Auch Future Skills werden ein wichtiges Thema sein: Wie qualifizieren wir die Arbeitskräfte von morgen für diese zunehmend digitale und automatisierte Welt?
Redaktion: Kleine Abschlussübung: Auf der interpack war oft die Rede von der Herausforderung, die ständig steigende Komplexität in möglichst einfache Lösungen zu übersetzen. Also, in einem Satz: Wie sieht die perfekte Verpackung aus?
Dohse: Eine wirklich gute Verpackung übersetzt technologische Komplexität, Nachhaltigkeit, Produktschutz und Effizienz in eine Lösung – und zwar so, dass sie für den Anwender intuitiv, zuverlässig und einfach zu nutzen ist.