Redaktion: Mit der TNA Robag haben Sie auf der interpack 2026 eine neue Generation von VFFS-Maschinen vorgestellt – was war der wichtigste Treiber hinter dieser Entwicklung?
Simon Hill: Der wichtigste Treiber war der strukturelle Wandel in der Snack- und Süßwarenproduktion. Hersteller müssen heute mehr Packungen, mehr Varianten und mehr Wertschöpfung produzieren – oft bei gleichbleibender Produktionsfläche und mit gleich vielen oder sogar weniger qualifizierten Mitarbeitern. Kleinere Portionsgrößen, Multipacks und eine steigende SKU-Vielfalt bieten zwar kommerzielle Chancen, setzen Verpackungslinien aber erheblich unter Druck.
Traditionell wurde steigende Nachfrage durch zusätzliche Schlauchbeutelmaschinen beantwortet. Das erhöht zwar den Output, bringt aber auch mehr Komplexität: zusätzliche Zu- und Abführsysteme, mehr Reinigung, Wartung, Bedienpersonal und Platzbedarf. Mit der TNA Robag Quantum wollten wir dieses Modell hinterfragen.
Unser Ziel war es, eine Plattform zu entwickeln, die den Ausstoß pro Schlauch erhöht und gleichzeitig die Bedienung, Umrüstung und das Linienmanagement vereinfacht. Geschwindigkeit ist nur ein Faktor – bei der Robag Quantum geht es darum, eine höhere Gesamtanlageneffektivität (OEE), weniger Abfall und mehr Flexibilität zu ermöglichen.
Redaktion: Welche Marktanforderungen standen im Fokus – Effizienz, Flexibilität oder Benutzerfreundlichkeit?
Hill: Wir haben uns auf alle drei konzentriert, da sie in der Praxis untrennbar sind. Eine Maschine kann schnell sein – wenn sie aber schwer umzurüsten ist, ständig manuelle Eingriffe benötigt oder unnötigen Ausschuss produziert, entsteht kein echter Mehrwert. Ebenso bringt Flexibilität nur dann Nutzen, wenn sie von den Bedienern zuverlässig umgesetzt werden kann.
Unsere Entwicklungslogik basierte auf vier Prioritäten: einfacher, besser, schneller und intelligenter. Die Maschine soll die Bedienung erleichtern, konstant bessere Packqualität liefern, eine höhere Leistung pro Schlauch ermöglichen und durch Konnektivität sowie integrierte Intelligenz bessere Entscheidungen unterstützen.
Redaktion: Was sind die wichtigsten technologischen Unterschiede der Robag Quantum im Vergleich zu bestehenden VFFS-Systemen?
Hill: Der Hauptunterschied liegt in der Kombination aus hoher Geschwindigkeit, vereinfachter Bedienung und intelligenter Vernetzung innerhalb einer Plattform. Die Robag Quantum baut auf der bewährten Robag-Technologie auf, verfolgt aber einen ganzheitlicheren Ansatz.
Zu den technischen Neuerungen zählen verbesserte Setup-Unterstützung, moderne Tracking- und Verifikationstechnologien, automatische Folienpositionierung sowie eine intuitivere HMI. Zudem wurde der Produkttransfer zwischen Waage und Verpackungsmaschine deutlich optimiert – mit weniger Produktverlust, besserer Qualität und geringerem Ausschuss.
Wichtig ist auch die Integration in die Gesamtlinie: Verpackungsleistung beginnt nicht erst an der VFFS-Maschine, sondern hängt vom gesamten Produktfluss ab – von der Verteilung über Würzung und Verwiegung bis hin zum Handling downstream.
Redaktion: Welche Entwicklung hat den größten Einfluss auf Leistung oder Effizienz?
Hill: Den größten Effekt erzielt die Erhöhung der Leistung pro Schlauch – ohne zusätzliche Komplexität. Statt mehr Maschinen einzusetzen, können Hersteller ihre Zielleistung oft mit weniger Anlagen erreichen. Das reduziert Platzbedarf, Personal, Reinigungsaufwand, Wartung und Gesamtbetriebskosten. Gleichzeitig entsteht Raum für neue Produkte.
Zusätzlich sorgen schnellere und reproduzierbare Umrüstungen sowie bessere Transparenz über Linienereignisse für geringere Stillstandzeiten und höhere OEE.
Redaktion: Wie geht die Quantum mit dem Trend zu kleineren Packungen und größerer Variantenvielfalt um?
Hill: Kleinere Packungen bedeuten, dass deutlich mehr Beutel produziert werden müssen, um die gleiche Produktmenge zu erreichen – das belastet Maschinen, Personal und Platz. Die Quantum begegnet dem durch höhere Leistung pro Schlauch und vereinfachte Umrüstprozesse.
Hersteller können schneller auf Nachfrage reagieren, ohne automatisch zusätzliche Maschinen integrieren zu müssen.
Redaktion: Wie schnell können Format- oder Produktwechsel durchgeführt werden?
Hill: Die Umrüstzeit hängt von Anwendung, Produkt, Format und Linieneinbindung ab. Die Quantum wurde jedoch gezielt so entwickelt, dass manuelle Einstellungen reduziert und Entscheidungsprozesse für Bediener vereinfacht werden.
Automatische Folienpositionierung, geführte HMI-Prozesse und integrierte Verifikation sorgen für kontrollierte und reproduzierbare Umrüstungen. Entscheidend ist dabei nicht nur die Geschwindigkeit, sondern die Sicherheit und Wiederholbarkeit.
Redaktion: Welchen Einfluss hat die Robag Quantum auf Materialeinsatz und Abfallreduzierung?
Hill: Bei kleinen Packungen und hohen Geschwindigkeiten summiert sich selbst geringer Ausschuss. Die Quantum reduziert Abfall durch bessere Kontrolle beim Produkttransfer, beim Wiegen und beim Umrüsten.
Je nach Anwendung sind bis zu 0,1 % Produkt- und Folienverlust möglich. Hersteller können dabei ihren Fokus flexibel setzen – maximale Leistung oder minimale Abfälle.
Redaktion: Die Maschine erreicht bis zu 300 Beutel pro Minute – wie stabil ist diese Leistung in der Praxis?
Hill: Die Maximalleistung ist immer anwendungsabhängig. Die tatsächliche Performance hängt von Produkt, Beutelgröße, Folie und Qualitätsanforderungen ab.
Die Quantum bietet einen erweiterten Leistungsbereich und ermöglicht es, den optimalen Punkt zwischen Geschwindigkeit und Abfall zu finden – das nennen wir „optimum speed/waste curve“.
Redaktion: Wie stark wurde die manuelle Intervention reduziert?
Hill: Die Maschine verfügt über automatisierte Setup-Unterstützung, Folienpositionierung, moderne Trackingtechnologien, geführte HMI-Abläufe und Ereignismanagement. Dadurch wird der manuelle Aufwand deutlich reduziert.
Das ist besonders relevant angesichts von Fachkräftemangel und steigender Komplexität. Neue Mitarbeiter können schneller produktiv werden, während erfahrene Bediener sich auf höherwertige Aufgaben konzentrieren.
Redaktion: Welche konkreten Anwendungsfälle ermöglicht der Einsatz von KI und smarter Konnektivität?
Hill: Die Vernetzung ermöglicht ein besseres Verständnis der gesamten Linie. Die Maschine arbeitet nicht isoliert, sondern integriert sich in Prozesse wie Verteilung oder Würzung.
Ein wichtiger Bereich ist das Ereignismanagement: Bediener erkennen Probleme schneller und können konsistenter reagieren. Das reduziert Stillstände und stabilisiert die Produktion.
Redaktion: Gibt es Funktionen wie Predictive Maintenance oder Echtzeitoptimierung?
Hill: Die Quantum geht bereits in diese Richtung, der Fokus liegt aktuell jedoch auf Ereignismanagement, Linientransparenz und Bedienerführung.
Die Architektur schafft aber eine Grundlage für zukünftige Erweiterungen wie erweiterte Diagnostik und Wartungsunterstützung.
Redaktion: Ganz zum Ende das Thema ROI: Wann amortisiert sich die Investition besonders schnell?
Hill: Die besten ROI-Szenarien finden sich in Hochleistungsanwendungen mit kleinen Packungen, Multipacks oder häufigen Produktwechseln.
Durch höhere Leistung pro Schlauch lassen sich Maschinenanzahl, Platzbedarf, Wartung und Personal reduzieren. Schnellere Umrüstungen gewinnen Produktionszeit zurück.
Zusätzlich spielt Abfallreduktion eine große Rolle: weniger Überfüllung, weniger Ausschuss und geringerer Folienverbrauch haben direkte wirtschaftliche Effekte – insbesondere bei großen Produktionsvolumen.