Unternehmen aus der Verpackungsbranche

Diese Firmen mussten Insolvenz anmelden

Fertigungshalle mit Insolvenz-Schild
Auch in der Verpackungsindustrie gab es in den vergangenen zwei Jahren etliche Firmen, die sich nicht mehr aus eigener Kraft halten konnten.

Die Zahl der Firmenpleiten ist 2025 nach Angaben des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) auf den höchsten Stand seit 20 Jahren gestiegen. Im Gesamtjahr lag die Zahl der Insolvenzen bei 17.604. Auch in der Verpackungsbranche gerieten etliche Firmen in wirtschaftliche Schieflage. Eine Übersicht.

Die Verpackungsbranche steht unter massivem Druck. In den vergangenen Monaten häuften sich Meldungen über Unternehmen, die Insolvenz anmelden mussten – darunter nicht nur kleinere Betriebe, sondern auch etablierte Mittelständler. 

Grund: Die Verpackungsindustrie und der zugehörige Maschinenbau zählen trotz ihrer stabilen Nachfragebasis zu den Branchen, die unter vielfältigem Anpassungsdruck stehen. Während die globale Nachfrage nach verpackten Produkten weiter wächst, erschweren mehrere strukturelle und konjunkturelle Faktoren ein profitables Wirtschaften.

Ein zentraler Hemmfaktor bleibt die angespannte weltwirtschaftliche Lage. Geopolitische Konflikte, Handelsbarrieren und volatile Lieferketten führen zu hoher Unsicherheit bei Investitionsentscheidungen. So stagnierte der Auftragseingang im deutschen Verpackungsmaschinenbau 2025 trotz guter Produktionszahlen und lag preisbereinigt etwa auf Vorjahresniveau. Das heißt: Die vorhandene Auslastung basiert vielfach noch auf Altaufträgen, während neue Projekte zurückhaltender vergeben werden.

Massiver Margendruck

Parallel dazu stehen Unternehmen unter massivem Kosten- und Margendruck. Steigende Energiepreise, hohe Rohstoffkosten sowie ein gestiegenes Zinsniveau belasten sowohl Hersteller als auch deren Kundenindustrien wie Lebensmittel, Pharma oder Konsumgüter. Gerade diese Branchen geben Investitionskosten zunehmend weiter oder verschieben Projekte, was sich unmittelbar auf den Maschinenbau auswirkt. Hinzu kommt ein anhaltender Fachkräftemangel, der insbesondere in hochspezialisierten Bereichen wie Automatisierung und Softwareintegration die Skalierung bremst.

Ein weiterer kritischer Faktor ist der tiefgreifende Transformationsdruck durch Nachhaltigkeit und Regulierung. Neue gesetzliche Anforderungen – etwa zur Recyclingfähigkeit, Reduktion von Verpackungsmaterialien oder CO2-Emissionen – zwingen Unternehmen zu kontinuierlichen Anpassungen ihrer Technologien und Prozesse. In Europa treiben Initiativen wie die Kreislaufwirtschaft oder verschärfte Vorschriften für Lebensmittelverpackungen die Nachfrage nach neuen Maschinenkonzepten an, erhöhen aber gleichzeitig die Entwicklungs- und Investitionskosten. Maschinenhersteller müssen zunehmend Anlagen entwickeln, die mit neuen Materialien wie Monofolien oder biobasierten Kunststoffen kompatibel sind.

Anbieter aus Asien holen auf

Zudem verschiebt sich die Wettbewerbslandschaft global. Während Europa weiterhin technologisch führend ist, gewinnen Anbieter aus Asien zunehmend an Bedeutung. Gleichzeitig verändern sich Absatzmärkte: Wachstum findet verstärkt in Regionen wie Asien, Afrika oder Lateinamerika statt, was eine Anpassung von Geschäftsmodellen und Servicekonzepten erfordert.

Nicht zuletzt steigt der Innovationsdruck durch Digitalisierung und Automatisierung. Kunden erwarten zunehmend vernetzte, flexible und datengetriebene Produktionslösungen. Für Maschinenbauer bedeutet dies hohe Vorleistungen in Software, KI und digitale Services – bei gleichzeitig noch unklaren Monetarisierungsmodellen.

Wir haben eine Galerie mit ausgewählten Firmen zusammengestellt, die seit Ende 2023 Insolvenz angemeldet haben. Etliche davon konnten oder können weitermachen. Weil sie einen Investor oder einen Käufer fanden oder weil das Verfahren noch läuft und weiter produziert werden kann.

Gründe für die wachsende Zahl an Insolvenzen

  • Margenverfall bei hohem Preisdruck

Die Gleichzeitigkeit aus hohen Kosten und sinkenden Absatzpreisen setzt die Margen unter Druck. Gerade kleinere Unternehmen können dies nicht mehr auffangen – sie arbeiten oft mit geringen Rücklagen und verfügen über weniger Verhandlungsmacht gegenüber Zulieferern und Kunden.

  • Kreditvergabe restriktiver

Zudem beobachten Marktteilnehmer eine Zurückhaltung bei Finanzinstituten: Banken reagieren auf das konjunkturelle Umfeld mit restriktiverer Kreditvergabe. Wer Investitionen finanzieren oder Liquiditätsengpässe überbrücken will, trifft häufig auf verschlossene Türen.

  • Regulatorischer Mehraufwand

Neue Berichtspflichten und regulatorische Auflagen, beispielsweise zur Nachhaltigkeitsberichterstattung (CSRD), binden personelle Ressourcen und erzeugen zusätzlichen Aufwand – insbesondere für mittelständische Verpackungshersteller, die keine eigenen Nachhaltigkeitsabteilungen unterhalten.

  • Mangelnde Resilienz und Spezialisierung

Unternehmen mit engem Produktfokus oder hohem Anteil an konjunkturabhängigen Kundenbranchen, wie zum Beispiel Bau, Möbel oder Einzelhandel, sind besonders anfällig. Wer keine Diversifizierungsstrategien entwickelt hat, gerät schneller ins Straucheln.

Eine Branche im Wandel

Die gestiegenen Insolvenzen sind Ausdruck einer strukturellen Transformation. In den kommenden Monaten ist mit einer weiteren Marktbereinigung zu rechnen. Zugleich entstehen neue Chancen für Unternehmen, die finanziell solide aufgestellt sind, gezielt investieren und ihre Geschäftsmodelle anpassen. Auch bieten der Trend zur Kreislaufwirtschaft, die Notwendigkeit effizienterer Prozesse und die Suche nach nachhaltigen Lösungen Innovationspotenzial.