Leichter, weniger Emissionen und recyclingfähig

Perlen Papier bringt Faserflasche nach Deutschland

Die Schweizer Perlen Papier führt eine neuartige Flasche aus gegossenen Papierfasern auf dem deutschen Markt ein. Die Technologie stammt vom britischen Verpackungsunternehmen Pulpex und soll eine recyclingfähige Alternative zu Flaschen aus Glas oder Kunststoff bieten. Eine eigene Produktion in der Schweiz ist ab Ende 2027 möglich.

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Dreimal Papier: die Perlen-Flaschen.

Perlen verfügt gemeinsam mit der Muttergesellschaft Perlen Industrieholding über die exklusiven Produktionsrechte für die Technologie in Süddeutschland, Österreich, Italien und der Schweiz. Die Flaschen werden aus gegossenen Papierfasern hergestellt und sollen je nach Anwendung Haltbarkeiten von mehr als 24 Monaten ermöglichen.

Die Verpackung richtet sich unter anderem an Hersteller und Abfüller von Getränken, Lebensmitteln sowie Kosmetik- und Körperpflegeprodukten. Nach Angaben des Unternehmens eignet sich die Lösung beispielsweise für Wasser und andere stille Getränke, milchbasierte Produkte, Speiseöle, Wein und Spirituosen.

Barriere schützt vor Feuchtigkeit und Sauerstoff

Der einteilige Flaschenkörper wird im Nassformverfahren aus Zellulosefasern geformt und anschließend getrocknet. Die Innenseite erhält eine dünne, lebensmittelechte und nach Unternehmensangaben plastikfreie Barriereschicht. Klebstoffe seien bei der Herstellung nicht erforderlich. Als Rohstoff kommen Fasern aus zertifizierter nachhaltiger Forstwirtschaft oder aufbereitetes Altpapier zum Einsatz.

Die Barriere soll den Inhalt vor Feuchtigkeit und Sauerstoff schützen und gleichzeitig geruchsneutral sein. Die Flasche ist zudem wasserfest, sodass sie nach Angaben von Perlen sowohl im Kühlschrank als auch beispielsweise im Badezimmer eingesetzt werden kann.

Grundlage ist eine patentierte Faserguss-Technologie von Pulpex. Nach der 4evergreen-Testmethode von CEPI lässt sich die Verpackung laut Perlen über bestehende Papierrecyclingströme verarbeiten.

Niedrigeres Gewicht als Glas

Vorteile sieht der Hersteller außerdem beim Gewicht und damit in der Logistik. In einer Cradle-to-Gate-Betrachtung liege der CO2-Fußabdruck der Faserflasche nach Angaben von Perlen rund 90 % unter dem einer vergleichbaren Glasflasche und rund 30 % unter dem einer PET-Flasche. Das deutlich geringere Gewicht gegenüber Glas könne zusätzlich Transportaufwand und Logistikkosten reduzieren.

Bei diesen Angaben handelt es sich um vom Unternehmen kommunizierte Vergleichswerte. Details zu den zugrunde gelegten Flaschengrößen, Systemgrenzen oder weiteren Annahmen der Ökobilanz nennt die Mitteilung nicht.

Größen von 300 bis 750 ml verfügbar

Zum Marktstart sind Standardflaschen mit 300, 500 und 750 ml erhältlich. Weitere Varianten sollen folgen, sodass künftig Größen zwischen 200 ml und einem Liter angeboten werden können.

Das Fasergussverfahren ermöglicht darüber hinaus individuell gestaltete Flaschenformen. Oberflächen und Markenelemente lassen sich laut Perlen über Digitaldruck oder Etiketten umsetzen. Die Flaschen seien mit gängigen Abfüllverfahren kompatibel und könnten grundsätzlich in bestehende Abfülllinien integriert werden.

Damit zielt die Lösung insbesondere auf Markenhersteller, die faserbasierte Verpackungsmaterialien einsetzen möchten, ohne vollständig neue Abfüllprozesse aufbauen zu müssen.

Die Pulpex-Flaschen sind bereits verfügbar. Parallel prüft Perlen Papier den Aufbau einer eigenen Produktion am Standort Perlen im Schweizer Kanton Luzern. Die Fertigung könnte nach derzeitiger Planung Ende 2027 starten. Damit würde insbesondere für Kunden in Süddeutschland eine geografisch vergleichsweise nahe Produktionsquelle entstehen.