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Andreas Helbig, Sprecher des Vorstands des FFI, warnt vor Panik- und Sicherheitseinkäufen, da diese die Versorgungssituation bei Karton und Faltschachteln zusätzlich verschärfen. (Bild: FFI)

Branchenexperten zufolge können gleich mehrere Ursachen dafür angeführt werden, dass die sonst so stabile Supply Chain für Kartonverpackungen für Konsumgüter aktuell unter Schwankungen zu leiden hat. Zum einen sind die Eigenbedarfe nach Frischfaserkarton in Asien und Nordamerika sowie die Störungen in der internationalen Logistik beziehungsweise die gestiegenen Frachtkosten im globalen Warenverkehr dafür verantwortlich, dass dem europäischen Verarbeiter-Markt geschätzte 300.000 t Frischfaserkarton fehlten. Diese konnten nicht kurzfristig kompensiert werden. Zum anderen traf auf der Recyclingpapier-Seite ein bereits in den Medien vielfach behandeltes Covid-bedingtes geringeres Altpapier-Volumen auf eine gesteigerte Nachfrage vieler altpapierbasierter Verpackungs-Arten.

Mit dem Anspringen der europäischen Konjunktur Anfang des zweiten Quartals zog das Bestellverhalten insbesondere in den von Covid beeinträchtigten Märkten wie Food-Service, Premium-Drinks und Kosmetik wieder an und ergänzte eine aufgrund des zeitweisen Lockdowns der Gastronomie ohnehin schon stabile bis steigende Nachfrage in vielen Food-Segmenten.

Vorgezogene Bestellungen und höhere Auftrags-Volumina

Die Faltschachtel-Produktion für zahlreiche Kunden-Segmente ist dadurch hoch ausgelastet, die Lieferketten füllen sich bis hin zum Aufbau von Sicherheits-Beständen. Für Letzteres wird die Versorgungssicherheit mit Packstoffen und Packmitteln als dominanter Treiber gesehen. Daraus resultieren insbesondere vorgezogene Bestellungen und höhere Auftrags-Volumina, je weiter man sich in der Lieferkette nach vorne bewegt.

Damit wächst der Auftragsbestand bei den Kartonfabriken, was eine deutliche Verlängerung der Lieferzeiten zur Folge hat. Lag der Vorlauf für Bestellungen je nach Kartonsorte in 2020 auf einem durchschnittlichen und üblichen Niveau von 4 bis 8 Wochen, steigerte er sich über den Sommer auf 10 bis 20 Wochen – bei Sonderqualitäten noch darüber.

Erste Prognosen für den europäischen Karton- und Faltschachtelmarkt in 2021 lieferte kürzlich der britische Consultant NOA Prism, der im Auftrag des europäischen Faltschachtelverbands ECMA den „European Carton Prospects Report 2021” vorlegte. Danach schätzt das Beratungshaus für die europäischen Märkte in 2021 gegenüber dem Vorjahr einen exorbitanten Zuwachs der Bestellmenge an Faltschachtelkarton von 10,9 % bei einem gleichzeitig prognostizierten Mengenzuwachs an Faltschachteln von „nur“ 3,7 %. Auch wenn es sich hierbei nur um momentane Schätzungen handelt, nähren sie doch die Warnungen von Branchenbeobachtern über die Störungen der Supply Chain.

Panik- und Sicherheitseinkäufe vermeiden

Ihre Analogie finden die zuvor genannten, verlängerten Lieferzeiten in mehreren, realisierten Preiserhöhungen für Karton. Gleiches gilt auch für andere Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe für die Faltschachtel-Herstellung sowie auch zum Beispiel für Paletten oder Transport-Verpackungen, die die Kosten-Situation der Faltschachtelhersteller massiv belasten.

In der aktuellen Situation haben daher für Andreas Helbig, Sprecher des FFI Vorstands und Managing Director der Seda Germany GmbH, realistische Forecasts der Kunden eine hohe Bedeutung: „In der aktuellen Marktsituation ist eine gute, vorausschauende Planung essentiell. Panik- und Sicherheitskäufe führen zu zusätzlicher Verknappung und sind kontra-produktiv. Kunden sind daher gut beraten, gerade bei neuen Projekten mit ausreichender Vorlaufzeit zu planen, um neue Verwerfungen zu vermeiden.“

In unserem Ticker können Sie alle Meldungen zum aktuellen Rohstoffmangel chronologisch nachverfolgen.

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