Flexpack 2030: Branche unter massivem Transformationsdruck
Strengere Lebensmittelkontakt-Vorgaben, ambitionierte PPWR-Ziele sowie der schrittweise Ausstieg aus PFAS (per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen) erhöhen den Transformationsdruck auf die Hersteller flexibler Verpackungen. Für sie geht es um grundlegende strukturelle Änderungen.
Dieter FinnaDieterFinnaDieter FinnaPack Consult
3 min
Der Transformationsdruck auf die Hersteller flexibler Verpackungen ist groß.OpenAI
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Das 23. Inno-Meeting in Osnabrück rückte diese
Herausforderungen in den Mittelpunkt. Leitthema des Tages: „Flexpack 2030“. Präsentiert
wurden Lösungen für eine digital beschleunigte Produktentwicklung, innovative
Barrierematerialien und Recyclinglösungen im geschlossenen Kreislauf. Hier vier
besonders interessante Beiträge.
One Five: Revers be Engeineering
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Claire Gusko ist Mitbegründerin des Startups One
Five. Das Unternehmen setzt gezielt KI zur Entwicklung wiederverwendbarer
Kunststoffe ein. Gusko zeigte in ihrem Vortrag, wie Hochdurchsatzdaten und KI
die Entwicklung nachhaltiger, flexibler Verpackungen revolutionieren. Ausgangspunkt
ist die Kritik am traditionellen Trial-and-Error-Ansatz, der zeitaufwendig,
teuer und oft ineffizient ist. Fehlentscheidungen führen entweder dazu, dass
geeignete Materialien zu spät erkannt werden (False Negatives) oder ungeeignete
Lösungen unnötig weiterverfolgt werden (False Positives).
One Five verfolgt einen Reverse Engineering Ansatz,
der Trial-and-Error vermeidet: Zunächst werden klare Leistungsziele definiert –
etwa Anforderungen an Maschinengängigkeit, Haltbarkeit, Optik oder
Recyclingfähigkeit. Diese Zielgrößen bestimmen den Trainingsdatensatz für
KI-Modelle. Auf Basis von Hochdurchsatzdaten, strukturierten Versuchsreihen
(Design of Experiments) und Feature-Importance-Analysen identifiziert die KI
die entscheidenden Materialeigenschaften.
Durch digitales Screening lassen sich ungeeignete Materialien frühzeitig
aussortieren, sodass sich die Entwicklung auf vielversprechende Lösungen
konzentriert. Praxisbeispiele zeigen eine deutlich höhere Vorhersagegenauigkeit
sowie eine erhebliche Beschleunigung der Entwicklung. So konnte etwa ein
Projekt von 18 auf drei Monate verkürzt werden, indem realistische
Barriereanforderungen erkannt und Overengineering vermieden wurden. Insgesamt
ermöglicht dieser Ansatz schnellere Innovation, geringere Kosten und eine
effizientere Entwicklung marktfähiger, nachhaltiger Verpackungslösungen.
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Vergleich traditioneller F&E-Kosten gegenüber Reverse Engineering.One Five
Dow Chemical: Zielkonflikt zwischen Performance und Circularity
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Isabel Arroyo von Dow Chemical Ibérica S.L. zeigte,
wie die Verpackungsverordnung PPWR flexible Verpackungen grundlegend verändert
- Rezyklierbarkeit, Recycling im industriellen Maßstab und ein verpflichtender
PCR-Anteil werden von optionalen zu verbindlichen Anforderungen. Gleichzeitig
bleiben zentrale Leistungsanforderungen wie Barrierewirkung, Produktschutz,
Maschinengängigkeit und Lebensmittelsicherheit unverzichtbar, insbesondere bei
Lebensmittelverpackungen. Im Mittelpunkt ihres Vortrags stand der Zielkonflikt
zwischen Performance und Circularity. Konkret: Herkömmliche
Hochbarriere-Strukturen aus Verbundmaterialien erfüllen oft die
Rezyklierbarkeits-Anforderungen nicht, weshalb PE-basierte, Design-for-Recyclability-fähige
Alternativen entwickelt werden müssen. Dafür nennt sie mehrere technologische
Hebel wie MDO (Machine Direction Orientation) / BOPE (Biaxially Oriented
Polyethylene)
Orientierungstechnologien, kompatible Barriere-Systeme
und zugelassene Copolymere sowie die Integration von Rezyklat. Anhand von
Stretch-Wrap- und Stretch Film-Anwendungen mit Revoloop-PCR demonstrierte sie,
dass sich hohe PCR-Anteile mit verlässlicher Performance kombinieren lassen und
regulatorische Anforderungen wie beispielsweise PCR-Quoten und
Nachhaltigkeitsziele industriell skalierbar erfüllen lassen.
Orientierungs-Technologien gehören zu den Lösungsansätzen für das D4R.Dow Chemical
Cybersecurity: Gefährdete Schnittstellen
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Cybersecurity Experte Thomas Brenner machte in
seinem Vortrag deutlich, dass scheinbar einfache Technologien wie Barcodes,
QR-Codes und NFC längst zu kritischen Schnittstellen zwischen analoger und
digitaler Welt geworden sind – und damit auch zu potenziellen Einfallstoren für
Cyberangriffe. Verpackungen werden so zur unerwarteten Angriffsfläche. In einer
Live-Hacking Demonstration zeigte er die aktuellen Schwachstellen einzelner
Techniken. So können manipulierte Barcodes Preise verändern oder Schadsoftware
einschleusen. In einer eindrucksvollen Demonstration wurde ein Industriescanner
über einen präparierten Code ferngesteuert. Auch moderne Angriffsszenarien wie
„Bad USB” oder Bluetooth-basierte Attacken mit Tools wie dem „Flipper Zero” machen
deutlich, wie leicht sich Systeme kompromittieren lassen, wenn Geräte sich als
harmlose Peripherie ausgeben. Besonders eindrücklich war die
Live-Hacking-Demonstration, in der Brenner aktuelle Schwachstellen aufdeckte
und reale Sicherheitsvorfälle der letzten Monate einordnete. Abschließend
präsentierte er Lösungsansätze, welche Schutzmöglichkeiten bestehen, beziehungsweise
was zu tun ist, wenn man gehackt wurde. Sein Fazit: Jede Nutzereingabe ist ein
potenzielles Risiko. Konsequente Validierung, die Isolation kritischer Systeme
wie Kassenzonen sowie klar definierte Zugriffsbeschränkungen sind zentrale
Schutzmaßnahmen. Der Vortrag machte deutlich, dass digitale Verpackungstechnologien
ohne durchdachte Sicherheitskonzepte schnell zur Schwachstelle werden können.
Hackingtools zum Angreifen von QR-Codes und BarcodesPack Consult
Outnature: Alternative
Fasern im industriellen Einsatz
Outnature ist ein Anbieter alternativer Fasern aus
Silphie und Stroh vor, zur Herstellung nachhaltiger Papier‑ und
Verpackungsprodukte - auch im industriellen Maßstab. Dabei werden Reststoffe
aus der Landwirtschaft regional genutzt, Transportwege verkürzt und kaskadische
Rohstoffnutzung umgesetzt, um Holz als Hauptquelle für Papier teilweise zu
ersetzen und Stoffkreisläufe zu schließen. Ziel ist eine Bioökonomie mit
möglichst geringer Ressourcenverschwendung. Aktuell wird die
Energiepflanze Silphie als Faserquelle genutzt. Sie bietet ökologische Vorteile
wie Biodiversitätsförderung, Humusaufbau und eine deutlich bessere Klimabilanz
im Vergleich zu konventionellen Fasern. Silphie-Papier verursacht erheblich
weniger CO₂-Emissionen und ist vollständig recycelbar. Produkte in Lidl und
Kaufland-Märkten sowie die Zusammenarbeit mit Procter & Gamble untermauern die
Marktreife derartiger Verpackungslösungen.
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Als nächster Schritt steht die Nutzung von Stroh im
Fokus, so Thomas Strieder, Sales Director bei Outnature. Stroh ist ein in
großen Mengen verfügbarer landwirtschaftlicher Reststoff und eignet sich als
kostengünstiger, regionaler Rohstoff. Der Prozess umfasst Aufbereitung,
Fasergewinnung durch biothermische Verfahren und anschließende
Papierproduktion. Technologisch verbessert Strohfaser die Papierqualität und
kann durch ihre spezifische Faserstruktur bestehende Materialien wie Testliner
aufwerten. Mit Leipa wird ein erstes Projekt dieses Jahr realisiert. Ziel ist
es, alternative Fasern aus der Nische in den industriellen Standard zu
überführen und nachhaltige Verpackungslösungen breit verfügbar zu machen.
Verpackungen aus Silphie in den Märkten von Lidl und Kaufland.Outnature