Interview mit Kamila Gołębiewska und Monika Korbmann von Dr. Beckmann über die Entwicklung der neuen PPWR-konformen Flecken-Bürste
„Wir verstehen regulatorische Vorgaben nicht als reine Pflichtübung“
PPWR-konform, recyclingfähig und leistungsstark: Dr. Beckmann hat die Power Teppich Flecken-Bürste als Monomaterial-Lösung neu entwickelt. Im Interview erklären Kamila Gołębiewska und Monika Korbmann die Herausforderungen und Chancen hinter der Entwicklung. Und warum sie in der neuen Verpackungsverordnung eine Chance sehen.
Philip BittermannPhilipBittermannEditor-in-Chief neue verpackung / Automation NEXT
3 min
Die Bürsten als Monomaterial-Lösung sind nur Teil einer größeren Umstellung: Bis 2030 soll das gesamte Portfolio der Dr. Beckmann Group PPWR-konform sein.Dr. Beckmann Group
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Redaktion: Frau Gołębiewska, die neue Power Teppich Flecken-Bürste wird als PPWR-konforme Monomaterial-Lösung vorgestellt. Ist dieses Projekt Teil einer übergeordneten Verpackungsstrategie für die gesamte Dr. Beckmann Group?
Kamila Gołębiewska verantwortet seit Juli 2026 als Global Director Research & Development and Sustainability die globale Innovations- und Nachhaltigkeitsagenda der Dr. Beckmann Group.Dr. Beckmann Group
Kamila Gołębiewska: Die Umstellung auf Monomaterial-Lösungen ist ein zentraler Baustein unserer Nachhaltigkeitsstrategie in der Dr. Beckmann Group. Frühere Innovationen umfassen etwa die Umstellung unserer Trigger-Sprühflaschen auf reine Kunststoffkonstruktionen, bei denen wir Metallfedern durch Kunststoffkomponenten ersetzt und so die Recyclingfähigkeit deutlich verbessert haben. Mit der neuen Power Teppich Flecken-Bürste gehen wir diesen Weg konsequent weiter und zeigen, wie man Materialinnovation, Funktionalität und Kreislauffähigkeit miteinander verbinden kann.
Wir priorisieren solche Neuerungen noch stärker danach, welche Relevanz und welchen Effekt sie für unser Portfolio haben. Uns ist wichtig, dass nachhaltigere Verpackungen einen messbaren ökologischen Effekt haben – und gleichzeitig die Produktleistung liefern, die unsere Kundinnen und Kunden von uns erwarten.
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Redaktion: Haben Sie bereits einen konzernweiten Fahrplan, bis wann das gesamte Portfolio die künftigen PPWR-Anforderungen erfüllen soll?
Monika Korbmann ist Senior Packaging Engineer bei der Dr. Beckmann Group und als verantwortliche Entwicklerin für den neuen Bürstenkopf der Power Teppich Flecken-Bürste zuständig.Dr. Beckmann Group
Monika Korbmann: Unser Fahrplan sieht vor, dass wir bis 2030 das gesamte Portfolio auf die kommenden PPWR-Anforderungen ausgerichtet haben. Dabei verstehen wir regulatorische Vorgaben nicht als reine Pflichtübung, sondern als Chance, Kreislauffähigkeit systematisch in unsere Verpackungslandschaften einzubetten. Das reicht von verbesserter Recyclingfähigkeit über einen höheren Rezyklatanteil, also dem Einsatz von wiederaufbereitetem Altmaterial statt neuer Rohstoffe, bis hin zu vereinfachten Verpackungsstrukturen.
In vielerlei Hinsicht zeigt die neue Power Teppich Flecken-Bürste, dass sich hohe Leistungsanforderungen und eine verbesserte Recyclingfähigkeit miteinander verbinden lassen. Die Erkenntnisse aus diesem Projekt, von der Materialentwicklung über die Zusammenarbeit mit Lieferanten bis hin zur Umsetzung in der Produktion, helfen uns dabei, ähnliche Ansätze auch auf weitere Verpackungslösungen innerhalb unseres Portfolios zu übertragen und weiterzuentwickeln.
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Redaktion: Frau Korbmann, die Entwicklung des neuen Bürstenkopfs hat rund zwei Jahre in Anspruch genommen. Was waren die größten technischen Hürden auf dem Weg zur Monomaterial-Lösung?
Korbmann: Die größte Herausforderung lag dabei in den Materialien selbst. Schwämme und Borsten werden normalerweise aus unterschiedlichen Werkstoffen hergestellt, weil sie ganz verschiedene Aufgaben erfüllen. Für den neuen Bürstenkopf mussten wir sowohl den Schwamm als auch die Borsten auf Polyethylenbasis neu denken. Besonders die Entwicklung sehr feiner Polyethylen-Borsten war technologisch anspruchsvoll und nur durch die enge Zusammenarbeit mit unseren Lieferanten möglich. Im Kern war das dann kein reines Verpackungs-, sondern ein Materialentwicklungsprojekt.
Redaktion: Frau Gołębiewska, welche konkreten PPWR-Anforderungen bereiten Herstellern von Haushalts- und Reinigungsprodukten aktuell die größten Herausforderungen?
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Gołębiewska: Eine der größten Herausforderungen besteht darin, hochwertige Rezyklate in ausreichender Menge und Qualität für alle Verpackungskomponenten verfügbar zu machen. Besonders bei Verschlüssen stoßen viele Hersteller und Lieferanten noch an technische Grenzen. Das betrifft nicht nur unsere Branche, sondern den gesamten Verpackungsmarkt. Deshalb ist eine enge Zusammenarbeit mit unseren Verpackungslieferanten entscheidend, um in den kommenden Jahren nachhaltige Lösungen voranzutreiben.
Redaktion: Mussten auch Produktionsprozesse oder Lieferketten angepasst werden, um die neue Verpackung umzusetzen?
Korbmann: Eine zentrale Neuerung war der Wechsel von der klassischen Versiegelung, wie man sie von Ketchupflaschen kennt, zu einem mechanisch eingesetzten Stopfen, der die Flüssigkeit sicher in der Flasche hält. Diese neue Konstruktion erforderte weitreichende Anpassungen im gesamten Produktionsprozess. Gleichzeitig haben wir dafür neue Lieferketten aufgebaut, das hat nebenbei dazu beigetragen, den CO2 Ausstoß des gesamten Produktes zu senken.
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Redaktion: Welche Verpackungstechnologien beobachten Sie derzeit besonders aufmerksam?
Korbmann: Besonders relevant sind für uns Technologien, die Kreislauffähigkeit, Produktschutz und Verbraucherfreundlichkeit zusammenbringen. Dazu gehören innovative Recyclinglösungen, neue Materialentwicklungen sowie digitale Ansätze wie der Digitale Produktpass. Daneben verfolgen wir genau, was inzwischen mit faserbasierten Materialien in Sachen Verpackungstechnologie möglich ist.
Redaktion: Damit Kreislaufwirtschaft funktioniert, wird Ihren Kunden eine wichtige Rolle zuteil: Mit welchen kommunikativen Mitteln stellen Sie sicher, dass eine Monomaterial-Lösung am Ende ihres ersten Lebens in die passenden Recyclingströme gelangt?
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Gołębiewska: Eine klare Kommunikation gegenüber unseren Kundinnen und Kunden ist entscheidend, damit Kreislaufwirtschaft auch in der Praxis funktioniert. Eine recyclingfähige Verpackung kann ihre Wirkung nur dann voll entfalten, wenn sie auch korrekt entsorgt wird. Deshalb legen wir großen Wert auf klare Entsorgungshinweise direkt auf der Verpackung. So wissen Verbraucherinnen und Verbraucher genau, in welchen Recyclingstrom die Verpackung am Ende ihres Lebenszyklus gehört.
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