Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung

Forderung: Mehr biobasierte Kunststoffverpackungen

Die Bundesregierung will den Einsatz biobasierter Kunststoffe in Verpackungen deutlich ausbauen. Bis 2029 soll ihr Anteil im Einzelhandel spürbar steigen. Im Mittelpunkt stehen sogenannte Drop-in-Kunststoffe, die herkömmliche Kunststoffe ersetzen können, ohne bestehende Verarbeitungs- und Recyclingverfahren grundlegend verändern zu müssen.

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Ein Mission im Aktionsplan: die Förderung biobasierter Kunststoffverpackungen.

Mit ihrem am 30. September 2026 beschlossenen Aktionsplan „Nachhaltigkeit für ein modernes und zukunftsfähiges Deutschland“ will die Bundesregierung unter anderem die Nutzung nachwachsender Rohstoffe in der Verpackungsindustrie voranbringen. Eine der insgesamt 20 Missionen des Aktionsplans beschäftigt sich ausdrücklich mit der Förderung biobasierter Kunststoffverpackungen. Ziel ist es, deren Anteil im Einzelhandel bis 2029 „signifikant“ zu erhöhen. Eine konkrete Zielquote oder verbindliche Vorgaben für Unternehmen nennt das Dokument allerdings nicht.

Was sind biobasierte Drop-in-Kunststoffe?

Im Mittelpunkt stehen sogenannte Drop-in-Kunststoffe. Darunter versteht man Kunststoffe, die chemisch mit ihren erdölbasierten Pendants identisch sind, deren Rohstoffe aber ganz oder teilweise aus nachwachsenden Quellen stammen. Beispiele sind biobasiertes Polyethylen (Bio-PE) oder biobasiertes Polyethylenterephthalat (Bio-PET).

Der Begriff „Drop-in“ bedeutet, dass diese Materialien herkömmliche Kunststoffe unmittelbar ersetzen können. Weil ihre chemische Struktur mit der konventioneller Kunststoffe übereinstimmt, lassen sie sich grundsätzlich mit bestehenden Maschinen zu Verpackungen verarbeiten und in vorhandenen Recyclingströmen verwerten.

Biobasiert bedeutet allerdings nicht automatisch biologisch abbaubar oder kompostierbar. So verhält sich beispielsweise biobasiertes PE beim Abbau in der Umwelt nicht anders als herkömmliches PE. Entscheidend ist die Herkunft des Kohlenstoffs im Material, nicht dessen Abbaubarkeit.

Forschung schneller in die industrielle Produktion überführen

Um den Marktanteil dieser Kunststoffe zu erhöhen, will die Bundesregierung insbesondere den Übergang von Forschungsergebnissen zur industriellen Produktion beschleunigen. Dabei sollen auch regionale Wertschöpfungsketten stärker genutzt werden.

Hintergrund ist die bislang überwiegende Abhängigkeit der Kunststoffproduktion von fossilen Rohstoffen. Nach Einschätzung der Bundesregierung können biobasierte Alternativen dazu beitragen, diese Abhängigkeit zu verringern und Treibhausgasemissionen zu reduzieren. Sie sollen dabei die Vermeidung unnötiger Verpackungen, Mehrweglösungen und den Einsatz von Recyclingmaterial ergänzen, nicht ersetzen.

Voraussetzung für ihren Einsatz sind laut Aktionsplan eine hohe Ressourcen- und Materialeffizienz sowie die Kreislauffähigkeit der Produkte. Letztere bezeichnet die Möglichkeit, Materialien nach ihrer Nutzung möglichst wiederzuverwenden oder als Rohstoff in den Produktionskreislauf zurückzuführen.

Konkurrenz zur Lebensmittelproduktion vermeiden

Eine zentrale Herausforderung sieht die Bundesregierung in der Herkunft der benötigten Biomasse. Werden landwirtschaftliche Erzeugnisse wie Mais, Zuckerrohr oder andere pflanzliche Rohstoffe zur Kunststoffproduktion eingesetzt, können sie mit der Erzeugung von Lebens- und Futtermitteln konkurrieren.

Der Aktionsplan betont deshalb, dass die Ausweitung biobasierter Kunststoffe die Versorgungssicherheit mit Nahrungsmitteln nicht beeinträchtigen dürfe. Zusätzliche Absatzmöglichkeiten für landwirtschaftliche Betriebe seien zwar wirtschaftlich interessant, dürften jedoch nicht zulasten der Lebensmittelproduktion gehen.

Um den Flächenbedarf möglichst gering zu halten, setzt die Bundesregierung unter anderem auf eine effizientere Rohstoffnutzung sowie auf die Verwendung von Nebenprodukten und Abfallstoffen. Auch ein wirksames Recycling soll dazu beitragen, den Bedarf an neuen Rohstoffen zu begrenzen.

Noch keine konkreten Fördermaßnahmen beschlossen

Federführend für die Umsetzung der Mission ist das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) gemeinsam mit dem Bundesumweltministerium (BMUKN). Das Vorhaben ist Teil der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie und soll insbesondere zum Nachhaltigkeitsziel 12 der Vereinten Nationen beitragen, das nachhaltige Konsum- und Produktionsmuster fördern soll.

Für die Verpackungsindustrie formuliert die Bundesregierung damit eine politische Zielrichtung, konkrete Instrumente zur Umsetzung stehen jedoch noch aus. Weder legt der Aktionsplan fest, wie groß der Anteil biobasierter Drop-in-Kunststoffe im Jahr 2029 sein soll, noch beschreibt er verbindliche Einsatzquoten oder spezifische Förderprogramme.

Hinzu kommt, dass sämtliche Maßnahmen des Aktionsplans unter Finanzierungsvorbehalt stehen. Ob und in welchem Umfang sich daraus konkrete Fördermöglichkeiten für Rohstoffhersteller, Kunststoffverarbeiter und Verpackungsproduzenten ergeben, bleibt somit abzuwarten.